Wozu Anteilsarbeit? 

Und was ist das überhaupt?

Kennst du das Gefühl, wenn du dich hin und hergerissen fühlst und selbst nicht genau verstehst, wie es dich gleichzeitig in die eine und die andere Richtung ziehen kann? 
Dies könnte ein Moment sein, in dem verschiedene Anteile in dir um “das Steuer” kämpfen. Sie haben verschiedene Absichten, Ängste und Erfahrungen, auf die sie sich in diesem Moment beziehen. Manchmal fühlst du dich fast als Beobachter:in dieser Auseinandersetzung und sie kann ziemlich lähmend sein. 

Innere Anteil wahrzunehmen und mit ihnen in Kontakt zu treten, ist für uns ein zentraler Bestandteil von Persönlichkeitsentwicklung und ein wahnsinnig berecherender Rahmen zur Selbstreflexion.
Die Grundannahme dabei ist, dass wir nicht aus einer einzigen, unveränderlichen Identität bestehen, sondern dass unsere Persönlichkeit aus vielen unterschiedlichen inneren Stimmen (Teilen) zusammengesetzt ist. Diese Stimmen machen sich in verschiedenen Situationen bemerkbar: manchmal sind sie laut und drängend, manchmal leise und verletzlich, oft widersprüchlich und gleichzeitig alle zutiefst menschlich. 

Wenn wir lernen, diese inneren Dynamiken zu beobachten, öffnet sich ein Raum für Verständnis und Mitgefühl uns selbst gegenüber.
 Statt uns vollständig mit einem bestimmten Gefühl oder einer Reaktion zu identifizieren, können wir wahrnehmen: Da ist ein Teil von mir, der gerade sehr kritisch ist, oder da meldet sich ein verletzlicher Anteil. Dieses kleine Innehalten kann sehr viel bewirken. Es führt dazu, dass wir nicht automatisch von alten Mustern gesteuert werden, sondern mehr Wahlfreiheit in unserem Handeln und Fühlen gewinnen. Vielleicht können wir dadurch heute eine Grenze setzen, die wir bisher immer gnadenlos überrollt haben. In diesen Prozess mit sich einzutauchen führt langfristig zu mehr Selbstannahme, innerem Frieden und einem tieferen Verständnis unserer eigenen Geschichte. Anteilsarbeit bedeutet, sich selbst in der ganzen inneren Vielfalt kennenzulernen und im Zusammenspiel dieser Stimmen eine stabile, fürsorgliche innere Führung zu entwickeln.
 

 

 

Ein kleiner Einblick in mich und meine Anteile...

Früher bin ich oft in negative Schleifen geraten. Wenn die Energielosigkeit zu stark wurde, habe ich mich mit Netflix, langen Telefonaten oder Treffen mit Freund*innen abgelenkt. Doch wirklich regenerieren konnte ich so nicht, weil es dafür ein echtes Runterkommen gebraucht hätte. Erst später habe ich verstanden, dass der Teil in mir, der mich vor den Bildschirm setzt, eigentlich versucht, mich zu schützen – vor den Selbstzweifeln und Schuldgefühlen, die auftauchen, wenn ich mir ehrlich eingestehe, einfach eine Pause zu brauchen. Das Paradoxe war, dass die Ablenkung mir zwar kurzfristig geholfen hat, gleichzeitig aber die Schuldgefühle stärker wurden. Und diese Schuldgefühle habe ich dann wiederum betäubt, bis ich in einer Art Zwischenraum ziemlich permanent festhing.

Und ganz ehrlich: Früher war das nötig, weil mich schon kleine Schuldgefühle überrollt haben. Heute aber ist es anders. Ich kann diesen kleinen Stich aushalten, der kommt, wenn ich meine Leistungsziele nicht erreiche, und ihn sogar als Motivation begreifen, statt als Grund für den ganz großen Schmerz. Der Anteil in mir wusste das allerdings noch nicht. Deshalb war es für mich so befreiend, mit ihm in Kontakt zu treten und ihm zu zeigen, dass es nicht mehr nötig ist, mich zu betäuben. Dieser Zugewinn an Freiheit, liebevoller und besser zu mir zu sein, beeindruckt mich bis heute.

Systemisches Coaching & Anteilsarbeit

Wie passt das zusammen?

Systemisches Coaching geht davon aus, dass wir alle Teil größerer Zusammenhänge sind – sei es im beruflichen Umfeld, in der Familie oder im Freundeskreis. Probleme oder Herausforderungen werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Kontext der Beziehungen, Dynamiken und Muster, in denen wir uns bewegen. Das Ziel: mehr Klarheit, neue Perspektiven und konkrete Schritte, die zu dir und deinem Leben passen. Systemisches Coaching ist ressourcenorientiert, lösungsfokussiert und stärkt deine Selbstverantwortung – ohne Ratschläge, aber mit einer klaren, unterstützenden Haltung auf Augenhöhe.

Ein Werkzeug, das wir im Coaching als besonders wirkungsvoll erleben, ist die Anteilsarbeit. Sie gehört zu den Methoden des systemischen Coachings, ist aber weit mehr als nur ein Tool. In der Anteilsarbeit geht es darum, innere Anteile sichtbar und spürbar zu machen – also Seiten von dir, die vielleicht unterschiedliche Bedürfnisse, Haltungen oder Erfahrungen in sich tragen. Diese innere Vielfalt anzuerkennen, zu sortieren und in Kontakt zu bringen, schafft oft erstaunlich schnell tiefe Veränderungen.

Im 1:1 Coaching arbeiten wir flexibel und nutzen neben der Anteilsarbeit auch andere Methoden, die zu deinem Anliegen passen. Unsere Erfahrung zeigt aber: Anteilsarbeit ermöglicht besonders nachhaltige und tiefgreifende Veränderungen. Deshalb bildet sie auch die Grundlage unserer Workshops und ist das zentrale Element unserer Arbeit.

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